Die CDU und die neuen Großverdiener
Apr 27th, 2010 | By Redaktion | Category: AllgemeinDie Online-Redaktion erreichte folgende Zuschrift, die wir hier ungekürzt im Wortlaut dokumentieren:
Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrter Herr von Beust,
meine Partnerin und ich gehören zu den so genannten „Großverdienern“ der Stadt. Mit unseren Einkommen zahlen wir für unsere beiden Kinder den höchsten Elternanteil, und zwar wie folgt: Aktuell besucht das jüngere Kind in seinem letzten Jahr vor der Schule einen Elementarkindergarten (E8), das ältere Kind geht nach der Schule in den Hort (H5).
Wir bezahlen dafür 287 €. Nach der Erhöhung zahlen wir 459 €, das sind gut 60% mehr als heute. Käme unser kleiner Sohn nicht in den Genuss des vermeintlich kostenlosen Kita-Jahres vor der Schule, sähen die Zahlen etwas anderes aus. Heute müssten wir für die gleiche Betreuungszeit 541 € zahlen. Ab August sind es dann 714 €.
Bei diesen Kosten frage ich mich, ob sich die Arbeit überhaupt noch lohnt. Aktuell arbeite ich 75% der regulären Arbeitszeit. Um auf das selbe Netto-Familieneinkommen zu kommen, bräuchte ich jedoch nur ca. 40% der regulären Arbeitszeit zu arbeiten (berechnet über den Gehaltsrechner http://oeffentlicher-dienst.info). Ich könnte mich dann ohne Stress voll und ganz den Kindern widmen – was dem tradierten Familienideal der CDU sicherlich sehr nahe kommt.
Was bei dieser Betrachtung allerdings außer Acht bleibt, ist der volkswirtschaftliche Schaden, der mit der Stundenreduzierung einhergehen würde. Wenn ich die Stunden reduziere, dann reduzieren sich auch die Steuereinnahmen und die Beiträge zur Sozialversicherung. An Steuern gehen dem Fiskus ca. 445 €/monatlich verloren, die Sozialversicherungen müssen auf 335 €/monatlich verzichten. In der Summe sind das 700 €, die hier verloren gehen. Und das ist nur der Arbeitnehmeranteil.
Und was bedeutet die Stundenreduzierung für den Arbeitgeber? Der müsste für die fehlenden 35% Arbeitsleistung eine Vertretung finden, was schwierig zu gestalten ist. Hinzu kommen Reibungsverluste durch Einarbeitungszeiten und Umorganisation. Und nach einem Jahr überlege ich mir, dass ich dann doch lieber wieder mehr arbeiten möchte und für meine „Vertretung“ müsste eine andere Aufgabe gesucht werden. Im Ergebnis eine sehr kostenintensive, für alle Seiten unerquickliche Angelegenheit.
Ich bin mir sicher, dass Sie, als Sie die Gebührenerhöhung beschlossen haben, diese Implikationen alle bedacht haben – nachvollziehbar ist es für mich dennoch nicht. Ich möchte Sie daher bitten, mir das alles zu erklären.
Mit freundlichen Grüßen
