„Gerüchte und Halbwahrheiten“ – die Rechenkünste der GAL-Bürgerschaftsfraktion
Apr 27th, 2010 | By Redaktion | Category: AllgemeinWenn ich heute einen Flug buchen möchte, kann ich mich vor Top-Angeboten kaum retten: Für 19 € komme ich nach Venedig, für 1 € nach Mallorca. Und dann die böse Überraschung bei der Online-Buchung: hinzukommen noch Kerosinzuschläge, eine Service-Gebühr, Steuern, Ausfallprämie, Versicherung….mir wird schon ganz schwindelig. Und beim Einchecken merke ich dann, dass mein Handgepäck zu groß, zu schwer ist. Jedes Kilo kostet mich Euros um Euros.
Mit gesundem Menschenverstand hat diese Preisgestaltung nichts zu tun. Wenn ich ein Ticket kaufe, dann erwarte ich, dass in dem angegebenen Preis alle anfallenden Kosten enthalten sind: Personalkosten, Versicherungen, Steuern, Energiekosten usw. Wie sich die Kosten zusammensetzen, ist für mich als Kunde völlig unwichtig. Hauptsache ich habe eine angenehme Reise.
Die Erwartung von uns Eltern an die Kinderbetreuung ist da im Grunde nicht anders. Wir möchten für unsere Kinder die bestmögliche Betreuung, damit wir guten Gewissens zur Arbeit gehen und unsere Steuern zahlen können. Über viele Jahre war es völlig selbstverständlich, dass Kinder bei einer mehrstündigen Betreuung mit Essen und Trinken versorgt werden. Es ist elementarer Bestandteil der pädagogischen Arbeit, wie auch das Windelnwechseln, Basteln, Toben, Lesen Bestandteile der pädagogischen Arbeit sind. Die Kosten für die Verpflegung sind Sachkosten. Auch Bastelmaterialien sind Sachkosten. Diese Sachkosten werden den Kitas in einer Sachkostenpauschale erstattet.
Auf einmal sind Teile der Sachkosten keine Sachkosten mehr. Auf einmal ist das Mittagessen eine Privatangelegenheit der Eltern. Auf einmal fängt die Politik an, Teile der Sachkosten aus dem Gesamtgefüge herauszulösen. Folgt man dieser Logik, dann ist es eine Frage der Zeit, dass wir Eltern auch einen Windelzuschuss oder einen Zuschuss für das Bastelmaterial zahlen werden. 10 € für einen schmerzfreien Popo oder 5 € im Monat für Klebe und vernünftige Wachsmaler – das muss doch im Interesse der gesunden Entwicklung unserer Kinder für alle Eltern drin sein. Wir sind ja schließlich keine Rabeneltern. Diese Entwicklung der Preisgestaltung ist ebenso unredlich wie die Preisgestaltung der Fluggesellschaften – aus gutem Grunde sind irreführende Lockangebote heutzutage verboten.
Die GAL behauptet in einem Video (s.u.) und in ihrem Offenen Brief vom 26. April, dass es nur für ein Viertel aller Familien „ab August einen neuen, angepassten Beitrag für die Kita-Betreuung geben“ wird. Das ist eine glatte Lüge. Fakt ist: Für ALLE Familien wird die Kinderbetreuung spürbar teurer. Für die einkommensschwachen Familien, für Familien mit behinderten Kindern ebenso wie für die vermeintlichen neuen „Großverdiener“ dieser Stadt.
Nur ein Beispiel: eine Familie am unteren Einkommensrand zahlt für eine fünfstündige Hortbetreuung mit Mittagessen heute 44 € (incl. Essenspauschale von 13 €). Ab August bezahlt dieselbe Familie für die gleiche Leistung 73 €. Das entspricht einer Steigerungsrate von 66%.
Liebe GAL-Bürgerschaftsfraktion, ihr stellt in dem Offenen Brief fest, „dass derzeit viele Gerüchte und Halbwahrheiten über die Senatsbeschlüsse im Umlauf sind.“ Und dann stellt ihr klar: Schuld an der Preissteigerung sind vor allem die anderen. Die Finanzkrise. Die Berliner Klientelpolitik. Und dann wird nur noch schön gerechnet, um das eigene
politische Gewissen zu beruhigen. Mit anderen Worten: Es folgen jede Menge Halbwahrheiten – frei nach dem Motto, das Breiefporto wird nicht teurer, die 55-Cent-Marke kostet doch immer noch 55 Cent. Ihr Lieben, für wie blöd haltet Ihr uns Eltern eigentlich?
Von der GAL erwarten wir hier mehr. Mehr Ehrlichkeit. Mehr politischen Anstand. Einen redlichen Umgang mit Euren Wählern. Steht zu Eurer Entscheidung, die Kosten für die Kindertagesbetreuung für alle Einkommensgruppen spürbar zu erhöhen. Steht zu der unsozialen Erhöhung der Kinderbetreuungskosten insbesondere für die unteren
Einkommensgruppen. Steht dazu, dass Eure Politik die soziale Spreizung dieser Stadt weiter vorantreiben wird. Steht dazu, dass Eure Politik eine Politik der sozialen Kälte ist. Aber bitte haltet dann auch die Konsequenzen aus.
Durch die zusätzliche Belastung der Familien habt Ihr es mitzuverantworten, wenn im Sommer die Schulreform scheitert. Längst geht es bei dieser Abstimmung über eine gesellschaftlich dringend erforderliche Sachfrage nicht mehr nur um die Schulreform. Es ist eine Abstimmung über die Art und Weise, wie in dieser Stadt von Schwarz und Grün Politik gemacht wird. Lachender Dritter ist jener, dessen Namen man nicht nennen darf. Gruselig.
Und hier der O-Ton der GAL. Viel Spaß mit dem Video wünscht die Online-Redaktion!

Es werden (relativ) geringe Summen durch die Erhöhung der Kitagebühren zusätzlich gewonnen – weil dies angeblich aufgrund der schlechten Haushaltssituation ein notwendiger Beitrag ist. Wenn ich mir dann die Darstellung der Fakten zur Hortreform “höherer Betreuungsschlüssel”; Steigende Kosten für Eltern, die auch nach 16 Uhr noch arbeiten müssen etc. ansehen dann muß ich mich auch als Befürworter der Schulreform doch Fragen, ob diese dann nachher tatsächlich dauerhaft finanziell so ausgestattet wird, wie sie es sein müßte, damit die in die Reform gesetzten Ziele auch erreicht werden können.
Daran habe ich aufgrund der Ereignisse der letzten Woche aber massiven Zweifel.
Liebe Politiker,
ich bin alleinerziehende Mutter von 4 kleinen Kindern, 3 sind in Kita-/Hortbetreuung.. Auch wenn ich weiterhin nur den Mindestbetrag für die Kiaat zahlen soll, bedeutet für mich allein die Essenserhöhung im Hort eine Steigerung von 223 % – dasistz schlcihtweg unakzeptabel.
Darüber hinaus ist das Essen meist einfach schlecht: ich bin der Meinung, eine gute ErRnährung muss auch in Hort/Kiaat erfolgen. Das Problem leeigt darin, dass die Träger weiterhin den selben geringen Betrag fürs Essen erhelten und keine Qualitätserhöhung damit stattfindet. Es werden schlichtweg Hasuhaltslöcher an anderen Stellen gestopft. Auch das ist nicht zum Kindeswohl und nicht akzptabel.
Die Politik läßt uns Eltern schlichtweg im Stich.
Monika