2. Gesamtschule light: Offene Ganztagsprimarschule
Jun 10th, 2009 | By Redaktion | Category: Knackpunkte[…]
In der laufenden Legislaturperiode werden voraussichtlich 22 gebundene Ganztagsprimarschulen (je Region eine) eingerichtet.
[…]
Die Schule bleibt verlässliche Halbtagsprimarschule, wenn weniger als zwei volle Betreuungsgruppen Interesse für ein Ganztagsangebot zeigen.
Wenn es nicht zur Einrichtung mindestens einer gebundenen und einer offenen Ganztagsprimarschule in jeder der 22 Planungsregionen kommt, übernimmt die Behörde für Schule und Berufsbildung eine regionale Steuerung, um ggf. deren Einrichtung zu ermöglichen. Eltern wird dann Gelegenheit gegeben, ihr Kind in die von ihnen gewünschte Primarschulform umzuschulen.“
Quelle: Bericht der Projektgruppe, S. 5
Grundsätzlich gibt es zwar drei unterschiedliche Primarschulformen:
- die Verlässliche Halbtagsprimarschule – Unterricht bis 13 Uhr/ 13:30
- die Offene Ganztagsprimarschule – Unterricht bis 13 Uhr/ 13:30, danach bis 16 Uhr Schulkindbetreuung
- die Gebundene Ganztagsprimarschule – Unterricht und Betreuung von 8 bis 16 Uhr
Man kann jedoch davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren die Offene Ganztagsprimarschule als Ganztagsschule light das Gros aller Primarschulformen bilden wird. Zum einen ist der Ausbau der Gebundenen Primarschulen mengenmäßig zu vernachlässigen, zum anderen hat die Verlässliche Halbtagsprimarschule keine Überlebenschance, denn in dem Moment, wo es an einer Schule einen Betreuungsbedarf für 50 Kinder gibt (das entspricht einem Betreuungsbedarf von 8 bis 10% gemessen an einer drei- bis vier-zügigen Primarschule), wird der Schule nichts anderes übrig bleiben, als einen Antrag auf die Einrichtung einer Offenen Ganztagsschule zu stellen. Tut sie dies nicht, werden die Eltern gezwungen sein, mit den Füßen abstimmen. Da es außerhalb der Schulen keine staatlich finanzierten Horte mehr gibt, können sich berufstätige Eltern auch keinen Hort mehr suchen. In dem Fall bleibt ihnen nur noch, das Betreuungsangebot einer anderen Primarschule in Anspruch zu nehmen – ein Schulwechsel wird für viele Eltern die logische Konsequenz sein. Alternativ bleibt den Eltern, die es sich leisten können oder wollen, sich nach einer privat finanzierten Betreuungsalternative (z.B. Privathort) umzuschauen.
Das Problem: Einerseits will man Gesamtschulen flächendeckend einführen, anderseits kann oder will man nicht die notwendigen Finanzmittel in die Hand nehmen, die man für die Umsetzung einer an sich guten Idee braucht. Viele Verlässliche Halbtagsgrundschulen, die sich jetzt auf den Weg machen, Primarschule zu werden, haben überhaupt noch nicht realisiert, dass sie gar keine freie Wahl haben. Dass sie sich neben der Umsetzung der Primarschule zeitgleich auch noch um die nachschulische Betreuung kümmern müssen, welche enormen Anstrengungen damit verbunden sind, ist bei vielen Schulen noch gar nicht angekommen.
